Geschichte des Schützenvereins Seulingen e.V. - seit 1663 und wiedergegründet 1913



Entstehungsgeschichte

Der heute über 250 Mitglieder umfassende Seulinger Schützenverein blickt auf eine 345-jährige Geschichte zurück. Schon kurz nach dem 30-jährigen Krieg hat es in Seulingen eine Schützen-vereinigung gegeben. Dieses beweist die Königskette mit ihren Abzeichen und Inschriften. Ein dort befindlicher Fingerhut mit der Jahreszahl 1663 und den Initialen A.K. (wahrscheinlich Andreas Kopp 1637 – 1702) ist das älteste Zeichen an dieser Kette. Die Tradition, dass jeder Schützenkönig ein Gedenkstück mit dem Zeichen seines Berufs an die Königskette anzubringen habe, besteht bis in die Gegenwart fort.

Weitere Kleinodien (Hufeisen, Glöckchen, Sattelschnalle, Pflugschar 1747, Schraubenschlüssel 1791, Trompete 1792, Pflugschar 1797) zeigen, dass auch in der folgenden Zeit ein aktives Schüt-zenwesen vorhanden gewesen ist. Eine aus dem Jahr 1844 stammende Rechnung der Realgemeinde sagt ferner aus, dass beim Besuch des Bischofs den Schützen ein Trunk gereicht wurde und dass hierfür „2 Rth. 16ggr. 6 Pfg” gezahlt worden seien.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert scheint dann das Schützenwesen in Seulingen zum Erliegen ge-kommen zu sein. Kurz vor dem ersten Weltkrieg wurde im Januar 1913 eine Neugründung des Vereins vorgenommen. Das Original der ersten „Statuten“ des wieder gegründeten Vereins befin-det sich auch heute noch im Besitz des Schützenvereins. Im Sommer des gleichen Jahres wurde auch wieder ein Schützenfest gefeiert und außerdem mit dem Bau eines Schützenhauses auf einer Fläche begonnen, die von der Realgemeinde zur „ewigen Nutzung“ dem Schützenverein zur Verfü-gung gestellt worden war.

Während des ersten Weltkrieges ruhte allerdings das Schützenwesen. Im Januar 1919 wurde der Verein wieder aktiviert, und im Jahre 1921 wurde mit dem Neubau eines Schützenhauses begon-nen, da die vor dem Krieg angelegten Bauten zwischenzeitlich sehr gelitten hatten.

Im Jahre 1929 gründete der Schützenverein eine Jungschützenabteilung und der damalige Seulinger Pfarrer Kohlrausch stiftete eine besondere Kette für diese Jungschützen. Diese Kette wird auch heute noch anläßlich des Schützenfestes als Kette des „Jungschützenkönigs“ ausgeschossen. Während des zweiten Weltkrieges zeigte Pfarrer Kohlrausch erneut seine Verbundenheit zum Schützenverein. Ihm wurden die Fahne und die Schützenketten übergeben, und er hat diese sicher über die schwierige Zeit gerettet.

Nach dem zweiten Weltkrieg begann 1951 der Wiederaufbau des Schützenvereins und im Jahre 1953 wurde wieder ein Schützenfest gefeiert. In den folgenden Jahren wurde durch Schaffung der materiellen Voraussetzungen (Erweiterung des Schützenhauses und der Schießanlagen in mehreren Ausbauphasen 1962, 1988) die Basis für ein kontinuierliches Wachsen des Vereins gelegt. So wurde 1972 auch eine Damenabteilung gegründet. Diese heute mehr als 50 Schützenschwestern umfas-sende Gruppe bringt sich sehr engagiert in die Vereinsarbeit ein und bildet heute eine tragende Säule unseres Vereins.

Durch die im Zusammenhang mit der im Jahr 1999 erfolgten Zuerkennung der Gemeinnützigkeit notwendigen Veränderungen (neue Satzung, Umstellung des Rechnungswesens, Erlass von Vereins-ordnungen) sind die organisatorischen und rechtlichen Grundlagen geschaffen worden, die dem Verein eine solide Grundlage für das 21. Jahrhundert geben.

Dabei versteht sich der Seulinger Schützenverein als eine Gemeinschaft, in der sich Traditionsbe-wusstsein und moderne Auffassungen nicht ausschließen, sondern sich gegenseitig ergänzen. Modern sind die Organisation und die Sportanlagen, traditionsbewusst sind die Werte des Vereins. Traditionsgemäß wird das jährliche Schützen- und Volksfest als Zeltfest gefeiert und erfreut sich vielleicht gerade deshalb auch bei den Jüngeren einer großen Beliebtheit. Traditionsgemäß wird auch das „Bedingungsschießen“ seit 1963 durchgeführt. Hierbei handelt es sich um eine Seulinger Besonderheit: Jedes Vereinsmitglied zwischen dem 16. und dem 60. Lebensjahr ist verpflichtet, pro Schießjahr fünf Bedingungen in der Disziplin KK-50m zu schießen. Wer seinen Verpflichtungen ohne Grund nicht nachkommt, zahlt genauso ein Strafgeld wie derjenige, der seine „Dienst-pflichten“ (Arbeitsverpflichtungen) vernachlässigt.

Teilnahmemöglichkeiten auf der einen Seite sind also im Seulinger Schützenverein immer auch an Verpflichtungen des Mitmachens auf der anderen gebunden. Dass diese Werte als Orientierungs-hilfen auch von der jüngeren Generation geteilt werden, zeigt die Mitgliederstatistik. Immerhin sind mehr als ein Drittel aller Vereinsmitglieder 30 Jahre oder jünger, so dass das Vorurteil, Schüt-zenvereine seien nur etwas für „alte Leute“, in Seulingen nicht stimmt. Der Seulinger Schützen-verein lebt vom Mitmachen. Dazu gehören sowohl das Mitfeiern als auch das Mitarbeiten.

Das Mitarbeiten war gerade beim Erweiterungsbau des Schützenhauses im Jahre 2002 gefordert. Unter der Leitung des Bauausschusses und ist es gelungen, ein modernes und ansprechendes Schützenhaus zu errichten, und so auch für die zukünftigen Generationen den Schießsport und das Schützenwesen in Seulingen auf eine tragfähige räumliche Grundlage zu stellen. Gefördert durch die Gemeinde, den Landkreis und dem Landessportbund und unter aktivem Einsatz aller Mitglieder, von den „Schülern“ bis zu den „Senioren“, wurde dieses anspruchsvolle Bauvorhaben realisiert.

Dabei haben sich neben den Vereinsmitgliedern bei diesem Erweiterungsbau auch viele Nicht-Mitglieder des Schützenvereins sehr engagiert in das Vorhaben eingebracht, was beweist, dass der Schützenverein in der Dorfgemeinschaft über die Vereinsgrenzen hinweg stark verankert ist. Diese Verankerung zeigt sich auch beim jährlichen traditionellen Schützenfest, das immer auch als Volksfest gefeiert wird und einen festen Platz im Jahreskalender unserer Gemeinde hat und zu dem auch viele Seulinger, die ihren Lebensmittelpunkt mittlerweile in anderen Städten gefunden haben, gerne in ihre Heimatgemeinde zurückkehren, um mit ihren Freunden gemeinsam dieses Schüt-zenfest zu feiern.

Die Stabilität des Seulinger Schützenvereins gründet sich auch auf die Kontinuität der Vereins-führung. In den mehr als 50 Jahren, die der Verein nach dem Ende des zweiten Weltkriegs gewirkt hat, haben bisher nur drei Personen als Hauptmann den Verein geführt (Leopold Wucherpfennig, Karlheinz Rink, Klemens Halfter). Und im 346. Jahr seines Bestehens und 96 Jahre nach der Neugründung im Jahre 1913 steht der Seulinger Schützenverein im organisatorischen, materiellen und personellen Bereich auf einem sicheren Fundament, das es ihm erlauben wird, auch im 21. Jahrhundert die zukünftigen Herausforderungen zu meistern.



Klemens Halfter
- Hauptmann -




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